Preisträger 2018

Jurypreis 2018

Der Jurypreis 2018 geht an Angela Schuster und ihren Film Zmij („Der Drache“).

Krieg, Unterdrückung und Verlust der eigenen Kultur sind 1938 nur zu realer Bestandteil des Lebens der sorbischen Minderheit in der Lausitz . Ein junges Mädchen setzt daher im Glauben an alte Traditionen und Sagen all ihre Hoffnungen in den Wunsch nach einem Drachen.

Begründung der Jury:

Die erste Ausgabe des Kurzfilmfestivals Linse war von einem sehr vielfältigen Wettbewerbsprogramm geprägt, das es der Jury nicht leicht gemacht hat, aus den heterogenen Produktionen verschiedener Stile, Genres, Gattungen und auch Spielzeiten einen einzigen Gewinner zu küren. Wir haben einige klassische, narrative Inszenierungen mit beachtlichen schauspielerischen Leistungen gesehen; daneben Dokumentarfilme, Animationen, Stop Motion und einige poetische Videos, in denen es weniger um geschlossene Erzählungen, sondern um lyrische Texte und experimentelle Montagen ging.

Letztlich ging es uns bei der Suche nach dem besten Film für den Jurypreis nicht so sehr um einen Vergleich zwischen allen Filmen untereinander, sondern vor allem darum zu bewerten, wie jeder einzelne Film für sich funktioniert und welche Bilder er für die Wirklichkeit findet, die er uns präsentiert.

Ausschlaggebend für die Jurybewertung war in erster Linie die Frage, inwieweit jede Regisseurin und jeder Regisseur gewissermaßen den eigenen Ansprüchen gerecht wird; das heißt, wie homogen und stimmig das filmische Universum ist, das jeder einzelne Film eröffnet, und wie überzeugend uns die Handlung, sowie die Wahl der filmischen Mittel erschienen.

Mit wenigen Außenaufnahmen und einer malerischen Geräuschkulisse eröffnet Angela Schuster zu Beginn ihres Films die stimmige wie stimmungsvolle ländliche Atmosphäre und das historische Setting ihrer Geschichte. Ein Ort irgendwo in der Lausitz im Jahr 1938. Behutsame, schwarzweiße Bilder führen uns in die Gedanken der jungen Protagonisten ein, die bemerkenswerte Schauspielerin Sophia Böhm, deren zweisprachiger innerer Monolog von Celina Scholze über den gesamten Film hinweg nichts von seiner einnehmenden kindlichen Naivität verliert.

Über die Annäherung an eine märchenhafte, rätselhafte Drachen-Sage erzählt uns Zmij zum einen von unbekümmerten Augenblicken einer kindlichen Träumerei, zugleich jedoch auch von deren Enttäuschung durch den Nationalsozialismus. Als ein kleines, bruchstückhaftes Stillleben hat der Film den Anspruch ein unschuldiges, liebenswertes Andenken an das Schickal der Sorben im Dritten Reich zu schaffen. Dabei vermittelt er ein hohes künstlerisches Verständnis, das sich durch die Wahl der filmischen Mittel, durch die Kameraarbeit, den Ton, die Musik, die Ausstattung, wie auch durch die schauspielerische Leistung des gesamten Ensembles auszeichnet.

In seiner Kürze weckt Zmij das Interesse für die sorbische Geschichte wie auch für die Gegenwart der sorbischen Kultur. Wir prämieren somit auch die persönliche Auseinandersetzung einer Filmemacherin, die selbst der sorbischen Minderheit angehört, und die ihren Wunsch nach der Bewahrung der eigenen kulturellen Herkunft durch diesen Film glaubwürdig wie ansehnlich vermittelt.

Über Angela Schuster:

„Die Sage vom Drachen, den man auf dem Dachboden halten kann, hat mich schon als Kind fasziniert.“

Nach einem naturwissenschaftlichen Studium begann Angela Schuster 2013 mit den ersten Filmversuchen und machte schließlich 2016 das Hobby zum Beruf. Aus der Vergangenheit ihrer eigenen Familie erwuchs für sie der Wunsch, die Geschichte der Sorben im dritten Reich durch einen Film aufzuarbeiten und bekannter zu machen.

Kontakt: schuster.angela@gmx.net
Facebook: www.facebook.com/zmijdrache


Publikumspreis 2018

Der Publikumspreis 2018 geht an Stephan Dorn und seinen Film Don’t Stop.

Eine spezielle Choreographie, ein rhythmisches Lied und aus dem Alltag bekannte und zugleich doch so ungewöhnliche Protagonisten.

Über Stephan Dorn:

„Mit „Don’t Stop“ versuche ich, meine Vorliebe für Objekttheater in ein anderes Medium zu überführen.“

Stephan Dorn wurde 1987 in New Orleans geboren und wuchs in Niedersachsen auf. Er studierte von 2009 bis 2017 Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Sein Film lief bereits auf einigen Festivals und gewann den dritten Preis des Festivals „Choreographic Captures“, Winterhur 2017.

Kontakt: stephandorn@yahoo.de

 


Kreativpreis 2018

Der Kreativpreis 2018 geht an Hoang Quynh Ngyen und ihren Film CU next time.

Heimat, Kindheit, ein kleines bisschen Nostalgie, aber auch die Erkenntnis, dass man weiterziehen muss, wenn es soweit ist. Abschied? Nein. Stattdessen: c u next time.

Begründung der Veranstalter:

Auszug – das erste mal alleine – alleine kochen – alleine waschen – alleine wohnen.

Aber nicht nur das – neue Stadt – neue Menschen – neue Herausforderungen.

Wir alle standen, oder stehen noch, vor diesen Herausforderungen. Vielleicht können wir uns deshalb so gut in diesen Kurzfilm hineinversetzen. Vielleicht macht der Film uns bewusst, dass wir nicht ‚Leb Wohl‘ sagen müssen, dass wir zurückkommen können, dass wir immer eine Heimat haben und auch behalten.

Besonders gefallen hat uns an C U Next Time zum einen die Idee des Films und wie diese umgesetzt wurde. Das Bild: eine Stadt – das Meer – eine Straße. Wir könnten uns überall befinden. Es könnte die Heimat von jedem sein. Eine scheinbare Willkür von Orten, welche eine Identifikation (vielleicht) begünstigt. Zum anderen ist es das Zusammenspiel von Bild, Ton und Text, welches wir in diesem Film besonders gelungen und rund fanden.

Über Hoang Quynh Ngyen:

„Die Leidenschaft fürs Filmemachen habe ich vor nicht viel mehr als einem Jahr für mich entdeckt und verliebe mich seitdem fast regelmäßig neu in das Medium.“

Die zwanzig Jahre alte Hoang Quynh Ngyen ist erst vor kurzem aus Rostock zum Studium nach Berlin gegangen und verarbeitet in diesem Film ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse dieses Umzugs.

Website: www.h-quynh-nguyen.com